Was ist Homöopathie?


"Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte Wiederherstellung der Gesundheit ..."

S. Hahnemann, Organon der Heilkunst, § 2


Nachfolgender Text (Autor: Dr. med. Ralf Oettmeier, Greiz) wurde entnommen aus:
Frans van den Berg (Hrsg.): Angewandte Physiologie, Bd. 3: Therapie, Training, Tests.
Thieme, Stuttgart 2001. ISBN 3131170913


Die Bezeichnung "Homöopathie" geht zurück auf ihren Begründer, Dr. Samuel Hahnemann (1755-1843), leitet sich ab von den griechischen Worten "homoios" (ähnlich) und "pathos" (Leiden) und bezieht sich auf die grundlegende Methodik dieses ganzheitlichen Verfahrens.

Nachdem bereits in "vorhomöopathischer" Phase bekannt war, dass medikamentöse oder physikalische Anwendungen auch in minimaler Dosis oder Anwendungsmenge zum Teil erstaunliche Heileffekte induzieren können, wurde das homöopathische Heilprinzip zuerst in Hahnemanns Aufsatz "Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen" im Jahre 1796 erstmals wissenschaftlich begründet. Sechs Jahre zuvor hatte Dr. Hahnemann im berühmten Chinarindenversuch herausgefunden, dass nach mehrtägiger Einnahme von Chinarinde ein dem Wechselfieber ähnlicher Zustand am zuvor gesunden Menschen auftrat. In den folgenden Jahren prüfte Hahnemann noch eine Vielzahl weiterer Pflanzen, Minerale und Tierstoffe an Gesunden und betrieb ein intensives Literaturstudium. Damit wurde durch Dr. Hahnemann erstmals wissenschaftlich der Arzneianwendung eine Arzneiprüfung und -analyse vorangestellt.
Die Anwendungen von verdünnten, aber nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgewählten Arzneien an Kranken ermöglichte eine Vielzahl von zu dieser Zeit erstaunlichen und schnellen Heilerfolgen. Im Jahre 1810 erschien die ausführliche Zusammenfassung der neuen Lehre im "Organon der rationellen Heilkunde", welche in den Grundzügen auch heute noch Gültigkeit hat und die Basis der klassischen Homöopathie darstellt.

Bis zu seinem Tode im Jahre 1843 erwarben sich Hahnemann und seine Zeitgenossen grosse Verdienste in der Entwicklung der homöopathischen Behandlungsmethode. In diesen Zeitraum fallen die Entwicklung der verschiedenen Arzneiformen, Potenzarten, die ersten ausführlichen Arzneimittellehren, Repertorien und Anleitungen für die Behandlung chronischer Erkrankungen.

Der "Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte" wurde 1829 gegründet und hat heute über 3.500 Mitglieder.

In Deutschland sind etwa 2200 Ärzte berechtigt, die Zusatzbezeichnung "Homöopathie" zu führen, welches 0,5 % der gesamten Ärzteschaft entspricht. Die postgraduale Ausbildung der Ärzte wurde in der Weiterbildungsordnung der Ärztekammern verankert. Die Behandlung wurde inzwischen auch in die Gebührenordnung der Privatkassen aufgenommen. Einige gesetzliche Kassen führen gegenwärtig Pilotprojekte der Anwendung und Kostenerstattung der Homöopathie durch. An nahezu allen deutschen Hochschulen bestehen studentische Arbeitsgruppen zur Homöopathie. An einigen Hochschulen finden inzwischen Vorlesungen zu diesem Bereich statt.


Grundprinzipien der Homöopathie

Fünf Prinzipien unterscheiden die Homöopathie deutlich von der üblichen Pharmakotherapie:

1. Ähnlichkeitsprinzip
Die Simile Regel oder das Ähnlichkeitsprinzip (similia similibus curentur) bedeutet: "Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden". Für die Praxis bedeutet dieser Leitsatz, dass dasjenige Arzneimittel zur Anwendung kommt, welches eine dem vorliegendem Krankheitsmuster möglichst ähnliche, künstliche Krankheit zu erregen imstande ist und durch einen dementsprechenden gezielt-regulationsfördernden Reiz die vorliegende Pathologie wirksam reduzieren oder auslöschen kann.
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2. Arzneimittelprüfung
Die Arzneiprüfung am gesunden Menschen stellt die Grundlage der homöopathischen Arzneimittellehren dar und bedeutet eine "Vermenschlichung der Pharmakologie", d.h. der Arzneieffekt wird von den Versuchspersonen auf sämtlichen Lebensebenen registriert und ermöglicht die Kennzeichnung von einer Vielzahl von Symptomen (insbesondere auf der geistig-emotionalen Ebene), welche uns im Tierversuch verborgen bleiben.
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3. Individuelles Krankheitsbild
Die Erhebung des individuellen Krankheitsbildes erhebt die klassische Homöopathie zu einer konsequenten ganzheitlichen Methode, da sämtliche die Erkrankung kennzeichnenden Symptome der körperlichen, energetischen und geistig-emotionalen Ebene, insbesondere nach Gewichtung ihrer Wertigkeit, für die Arzneiwahl herangezogen werden. Dadurch wird ein Höchstmass von Individualität und Persönlichkeitsnähe realisiert. Die genaue bibliographische Erhebung der Krankengeschichte ermöglicht oft auch die Zuordnung von Kausalfaktoren und wichtigen krankheits-modulierenden Einflüsse (dadurch auch häufig kausale Therapie möglich).
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4. Das homöopathische Arzneimittel
Die homöopathischen Arzneimittel bestehen zumeist aus Pflanzen, tierischen Produkten oder Mineralien, welche einerseits in Verdünnungsstufen (1:10, 1:100 oder 1:50.000) hergestellt werden, dabei aber von Stufe zu Stufe potenziert (verschüttelt) werden. Dieser auch als Dynamisierung bezeichnete Herstellungsgang, wobei dem Wasser-Alkohol-Substanz-Gemisch kinetische Energie zuführt wird, kennzeichnet die wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit auch hoher Verdünnungsstufen (sog. Hochpotenzen), deren Effizienz durch neue biophysikalische Experimente nachweisbar wurde.
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5. Individuelle Mittelwahl und Gabenlehre
Nach homöopathischer Analyse des individuellen Krankheitsbildes erfolgt zunächst die Symptomhierarchisierung, bei welcher den Symptomen ein unterschiedlich starker Stellenwert zugeordnet wird. Dabei stehen aussergewöhnliche, komische Symptome und Geistes-/Gemütssymptome über den Allgemein- und insbesondere Lokalsymptomen. Die wichtigsten der Symptome werden in bereits genannten Symptomsammlungen nachgeschlagen. Oft bekommt der Therapeut dadurch deutliche Hinweise auf eine oder mehrere Arzneien, welche dem Krankheitsmuster ähnlich sind. Die Entscheidung für die auf das vorliegende Problem passendste Arznei kann häufig erst nach Studium und Vergleich in der Arzneimittellehre getroffen werden.
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Hinweise zur Wirksamkeit von Homöopathie und homöopathischen Arzneimitteln

Obgleich die über 200-jährige Geschichte der Homöopathie, deren millionenfache Anwendung und Verbreitung sowie die unübersehbare Menge an diesbezüglicher Fachliteratur Beweis genug sein könnte für eine etablierte Methode, fehlt der homöopathischen Arzneitherapie bisher die definitive wissenschaftliche Anerkennung an den medizinischen Fakultäten der meisten Industriestaaten. Den Kernpunkt der Kontroverse stellt hierbei die höher potenzierte homöopathische Arznei dar, welche ab der Potenzstufe D24, C12 bzw. LM V rein mathematisch keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr enthält (Avogadro-Zahl). Erst die modernen Möglichkeiten der Biophysik, Kybernetik, Kristallographie an Flüssigkeiten und Informatik konnten Erklärungshinweise für die Wirkung des sprichwörtlichen "Tropfen auf den Bodensee" erbringen.
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