Die Arzneiprüfung am gesunden Menschen

Ähnlich wie in der klassischen Pharmakologie werden dabei sowohl die Quantität und zeitlichen Abläufe (Pharmakodynamik) als auch Qualität der Arznei im spezifischen Arzneimittelbild erfaßt. In homöopathischen Arzneimittellehren (Materia mediacae) werden Ergebnisse von Arzneimittelprüfung am Gesunden, die Erkenntnisse der Toxikologie des Arzneistoffes und schließlich auch empirisch gesammelte Behandlungserfahrungen für die jeweiligen pflanzlichen, mineralischen und tierischen Stoffe zusammengefaßt. In homöopathischen Repertorien kann man alphabetisch sortiert nachschlagen, für welches klinische Symptom z.B. welches homöopathische Mittel am ehesten Aussicht auf Erfolg hat. Inzwischen existieren eine fast unüberschaubare Anzahl an Arzneimittellehren und Repertorien, teilweise orientiert auf ärztliche Fachgebiete oder Krankheitsgruppen.

BEISPIEL: Während eines Spezialkurses im Oktober 1996 bekamen 28 Physiotherapeuten jeweils 3 Globuli einer ihnen unbekannten homöopathischen Substanz in C30-Potenz. Diese wurde von einer Kursteilnehmerin aus 30 Mitteln gleicher Potenzstufe der homöopathischen Hausapotheke des Kursleiters ausgewählt. Nach 3 Tagen wurden auffällige Beobachtungen und Veränderungen der Testpersonen ausgewertet. Dabei wurden u.a. berichtet:
- auffälliges Wärmegefühl zum Abend, bes. im Kopfbereich, wie Fieber (8 x),
- Frösteln und kalte Hände bzw. kalte Füße (4 x),
- krampfartige, unangenehme Bauchbeschwerden (4 x, davon 1 Person über 3 Stunden),
- leichter Halsschmerz, wie beginnende Grippe (1 x),
- abends aufgekratzt, Einschlafstörung, benommenes Gefühl (5 x),
- eine Stunde Gefühl, des Laufens wie auf Watte, leichtes Gefühl, wie im Rausch (1 x)
- zuerst Frösteln, dann Hitze im Kopf und anschließend Schweißausbruch (2 x),
- auffällige Geräuschempfindlichkeit, bes. nachts (3 x),
- Auftreten von Alpträumen und ängstlichen Träumen (4 x).
Nur vier Personen der Gruppe hatten keinerlei Veränderungen beobachtet. Es wurde zusammenfassend das Bild einer relativ schnell wirkenden Arznei mit besonderer Beziehung zum Gefäß- und Nervensystem gezeichnet. Die Prüfungssubstanz war das wichtige homöopathische Akut- und Grippemittel "BELLADONNA" (Tollkirsche). Die deutliche Prüfsymptomatik ermöglichte zur Verwunderung der Kursteilnehmer dem Kursleiter das richtige Zuordnen der homöopathischen Arznei.
Der Versuch macht aber auch das differente Reagieren von Überschießend bis ausbleibend deutlich.
Dieses differente Reaktionsphänomen kennen wir von sämtlichen anderen regulativen Methoden auch (sog. Therapieversager bei Massage, Akupunktur etc.).