Die Erhebung des individuellen Krankheitsbildes

Ohne Interpretation werden im Rahmen der homöopathischen Erstanalyse (Erstanamnese und Ganzkörperuntersuchung) sämtliche vom Patienten beobachtete Veränderungen durch den Krankheitsprozeß erfragt bzw. registriert. Die Befragung geht dabei in ihrer Zielsetzung deutlich über die Erfassung der sonst üblichen klinischen Krankheitszeichen und pathognomonischen Symptome hinaus. Im Mittelpunkt steht die Erfassung der individuellen Besonderheiten des Menschen auf allen biologischen Ebenen (Körper, Energie, Psyche). Der gelenkte Bericht (gezieltes Abfragen durch den homöopathischen Arzt) steht dabei im Mittelpunkt mit den Fragen nach offensichtlichen Krankheitsauslösern, Ort und Art der Hauptbeschwerden, Beschreibung von individuellen Empfindungen sowie der Erfassung von Begleitsymptomen und Modalitäten. Insbesondere die genaue Erfassung der Modalitäten lässt eine exakte Differenzierung der richtigen homöopathischen Arznei zu.

BEISPIEL:
Es liegt der Zustand einer schmerzhaften Knieschwellung vor. Die durchgeführte Untersuchung kann eine innere Verletzung (Meniskus, Bänder) ausschließen, so daß eine Arzneibehandlung in Frage kommt. Während als Pharmaka NSAR oder sogar Cortison zur "Entzündungshemmung" in Betracht kämen, wählt der homöopathisch arbeitende Therapeut das homöopathische Mittel gemäß Ursache und Gesamterscheinungsbild aus. So kommen bei Drehtrauma, Prellung oder Überlastung z.B. Arnica, Rhus toxicodendron, Bryonia oder Ruta graveolens in Betracht. Die Erfassung des Beschwerdemusters führt aber erst zum idealen homöopathischen Heilmittel, welches bei Beschwerdebesserung durch Bewegung und Wärme für Rhus toxicodendron, bei Beschwerdebesserung durch Ruhe und Kühlen für Bryonia und bei auffälligem Verkürzungsgefühl der Beugemuskeln für Ruta graveolens spricht. Bei der Auswahl steht letztlich die Individualität der Symptome über der Physiognomie (dem alleinigen klinischen Erscheinungsbild).